#25 Wer gedenkt wann wem? NS-Aufarbeitung im Mondseeland

Shownotes

Wer gedenkt wann wem? NS-Aufarbeitung von 1945 bis heute mit Andreas Pillichshammer und Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider, stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW).

00:00 Begrüßung, Vorstellung Andreas Pillichshammer ausnahmsweise als Podcasthost und zu Gast Historikerin Frau Mag. Dr. Claudia Kuretsidis-Haider

01:30 Einstieg: Großer Sündenfalls Österreich, der zweite Weltkrieg. Wie gedenkt man daran?

03:10 Die drei Phasen des Erinnerns. Das Gedenken ändert sich alle 30 Jahre

04:15 1945: KZ-Häftlinge kamen zurück und berichteten über ihre Erfahrungen, der Kalte Krieg, die Teilung der Welt in zwei Teile

05:56 Wer gedenkt wann wem? Kriegsgefangene kehren zurück und ändern massiv das Gedenken

06:55 Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges fand nie statt

07:55 Mitte 1960er-Jahre stellt eine neue Generation Fragen, Dokumentation des Widerstands

10:24 Was habt ihr in den NS-Zeit gemacht?

11:30 Die SPÖ tut sich mit dem Gedenken schwer

14:00 70er Jahre: Zeitzeugen wurden in die Schulen geschickt

14:55 Der große Cut in der Erinnerungsdiskussion: Die Waldheim-Affäre in den 80er-Jahren

16:44 In den 1990ern beginnt die Täterforschung

17:40 Das Gedenken muss von unten kommen (vom Volk), Errichtung von Denkmälern

19:35 Ist man traurig, dass man den Krieg verloren hat oder soll man sich freuen?

22:25 Den Staatsfeiertag auf den 8. Mai verlegen?

24:38 Österreich hat seine Hausaufgaben gemacht

25:50 Aufarbeitung auf Gemeindeebene – warum tut man sich so schwer damit?

28:35 Initiative Aufarbeitung zur NS-Zeit im Mondseeland

30:20 Buch von Norbert Blaichinger über die NS-Zeit – Ist ein Buch schreiben genug?

33:46 „Jetzt lasst‘s doch endlich die alte Zeit“

Wenn euch das Thema interessiert, schließt euch bitte mit Andreas kurz (Email: andreas.pillichshammer@gmx.at). Aktuelle umfasst die lose Gruppe ca. 20 Mitglieder und sie sind sehr offen und freuen sich auf weitere Teilnehmende!

Transkript anzeigen

00:00:00: Jetzt lasst es doch endlich die alte Zeit, das ist schon jetzt achtzig-neinzig Jahre her.

00:00:05: Und für viele war ne Niederlage.

00:00:15: Ist es jetzt einerseits traurig?

00:00:22: Weil wir den Krieg verloren haben?

00:00:24: oder ob man sich freuen soll, dass er den Kriegsverlohn

00:00:27: hat?

00:00:27: Der ganz große Cut in der Erinnerungspolitik ist dann im Zuge der Wildheimdiskussion Unmittelbar.

00:00:33: auch an das Heldengedenken kratzt, dass die Befreiung ist neunzehnfünfundfünfzig gekommen.

00:00:41: Die Besatzungszeit wurde teilweise als Drückhünder empfunden als DNS-Zeit.

00:00:49: Schaut hier in unserer Umgebung gibt es Talgau, Straßweilchen und San Gilding.

00:00:53: hat man etwas gemacht?

00:00:55: Aber es hat noch andere Opfer gegeben.

00:00:57: Die noch nicht gesehen worden.

00:00:58: Willkommen bei der... nächsten Ausgabe des Podcasts Grünthöne.

00:01:04: Mein Name ist Andreas Piligsama und es ist heute anders wie sonst, weil nämlich Reinhard Speer, der gewöhnlich diesen Podcast moderiert, heute hinter der Kamera sitzt.

00:01:15: ja wo's rein hat unsichtbarerweise und ich begrüße und heiße herzlich willkommen die Historikerin Claudia Correcidis Haider, die heute ihren den langen Weg von Wien Ich sage jetzt einmal aus der Wipplinger Straße, wo das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes beheimatet ist im ersten Bezirk auf sich genommen hat um uns hier in Monseland zu besuchen.

00:01:43: Wie gesagt sie ist Historikerin und er hat sich auf die Zeitgeschichte spezialisiert und hat schon in den Studienjahren an der Universität Wien angefangen beim Dokumentationsarchiv, beim DÖV, wie man landläufig sagt zu arbeiten.

00:02:01: Also damals vielleicht zu jobben und dann also wirklich zu arbeiten nach einigen Jahren als Lehrerin für Geschichte in einem Gymnasium.

00:02:11: so hat sie ihre berufliche Karriere verbracht und kann heute durchaus als Spezialistin Zeit des Faschismus betrachtet werden.

00:02:25: Und das ist auch der Grund, warum wir sie hier eingeladen haben.

00:02:31: Frau Korezidis, wenn ich das kurz machen darf ohne den zweiten Namen Heider... Österreich hat einen großen Sündenfall erlebt und es ist der Zweite Weltkrieg.

00:02:46: Es gibt einfach so was wie eine Zeitenwende vor dem Krieg nach dem Kriege Und seither erinnern wir uns an diesen Krieg, der jetzt rund siebzig-achtzig Jahre schon her ist.

00:03:04: Es ist wichtig sich zu erinnernden durch Erinnerung seine positive Ereignisse oder negative.

00:03:11: in beiderlei Hinsicht schafft eine Gesellschaft seine eigenen moralischen Grundlagen um auch die Gegenwart und die Zukunft zu bewältigen.

00:03:25: Nun ist es durchaus naheliegend, dass innerhalb von achtzig Jahren die Art und Weise wie man gedenkt sich verhindert und es steht jetzt ein Umbruch an nämlich eine nächste Generation.

00:03:41: ich selbst bin Sohn eines Kriegsteilnehmern nicht?

00:03:45: Man sagt ja die Kriegsgeneration war nicht sehr gesprächig in Bezug auf den Krieg, die nächste Generation will aber etwas wissen und will darüber reden.

00:03:55: Diese Veranstaltung ist Ausdruck dessen.

00:03:58: also das Gedenken ändert sich und daher auch jetzt meine Frage können Sie uns beantworten wie es im Detail sich verändert hat?

00:04:09: Im Krieges hat wohl drei Phasen gegeben wie das Gdenken sich gewandelt

00:04:15: hat.

00:04:17: Also zunächst muss man mal die Frage stellen, wer gedenkt wann?

00:04:23: und es gibt so in der Wissenschaft, die sich mit Erinnerungskultur beschäftigt.

00:04:32: Tese, die auch verifiziert ist.

00:04:36: Dass sich alle dreißig Jahre das Gedenken ändert und das kann man eigentlich ganz gut an der österreichischen Nachkriegsgeschichte so festmachen.

00:04:51: Dieses drei Phasenmodell dass Heide-Marieul eine Grazer Historikerin kreiert hat oder erforscht hat besser gesagt Das fußt auch auf diesem Zeitenlauf.

00:05:08: Wobei es jetzt ganz kurz, also da kann man wirklich stundenlang darüber sprechen... Es hat so einen Mondfenster, in der wir uns im Jahr und vierzig gegeben haben, wo man die Schrecken, die verbrechen des Zweiten Weltkrieges unter ein Essherrschaft.

00:05:26: Wo man daran durchaus erinnert hat KZ-Heftlinge sind zurückgekommen, haben über die Gräueltaten berichtet.

00:05:38: Das ändert sich dann durch sozusagen die große Politik Ende der neunzehnvierziger Jahre als der Kalte Krieg seine Wirkungsmächtigkeit entwickelt hat.

00:05:52: Es war nach dem Zweiten Bildkrieg Mutternationalsozialismus der Gegner sowohl von von den westlichen Alliierten, also auch von der Sowjetunion gewesen ist.

00:06:05: Der war so sein Besiegt.

00:06:07: und dann ist es die große Bruchlinie zwischen dem Westen und dem Osten aufgetreten das bezeichnete im erster Kaltenkrieg weil er nicht eins zu eins mit Waffengewalt gegeneinander ausgeführt wurde Und dann natürlich auch die Teilung der Welt, die sich ja besonders in Europa manifestiert hat.

00:06:31: Auch durch Mauern und dergleichen.

00:06:35: Gleichzeitig kommen ehemalige deutsche Wehrmachtsoldaten aus der Kriegsgefangenschaft zurück vor allem auch aus der Sowjetunion.

00:06:48: die Erzählung, das Narrativ wie man das bezeichnet und damit ändert sich auch das Gedenken.

00:06:57: Und da bin ich jetzt wieder dort wo ich am Anfang gesagt wäre gedenkt wann wem?

00:07:03: zunächst hat man den durchaus den Opfern des Nationalsozialismus gedacht.

00:07:09: aber in dem Moment wo die ehemaligen Wärme als Soldatenkriegsgefangenen zurückgekommen dominieren sie Kursion, weil sie sich als Opfer verstanden haben.

00:07:22: Als Opfer die eben gefallen sind oder die Kameraden die gefallen sind.

00:07:29: und dieses Kameradengedenken bekommt dann die Überhand.

00:07:34: es wird dann Anfang der neunzehnfünfziger Jahre Allerorts werden Krieger, Denkmäler errichtet an den Orten des Ersten Weltkrieges.

00:07:47: Wo man also sozusagen ergänzt die Denkmääler, die es eh schon gegeben hat.

00:07:52: Da muss man vielleicht auch einen kleinen Side-Stab machen.

00:07:55: Die Zeit des ersten Weltkriges, die ebenfalls mit sehr vielen Verbrechen einhergegangen

00:07:59: ist... So?

00:08:02: ...die wurde in Österreich überhaupt nicht adäquat aufgearbeitet, weil genau nach diesen dreißig Jahren war dann die Zeit des Nationalsozialismus.

00:08:13: Wo das Gedenken in Gang kommen

00:08:15: hätte.

00:08:18: Es ist auch das, wer gedenkt.

00:08:20: Ist es die Generation, die noch betroffen gewesen ist?

00:08:24: Die gedenkst anders als dann den nachfolgenden Generationen und nach dreißig Jahren hat man eben schon die nachfolgende Generationen, die stellt andere Fragen an die Geschichte.

00:08:33: Das ist beim ersten Weltkrieg vollkommen flach gefallen, weil da war die NS-Zeit.

00:08:39: Und man hat also dann eben eins zu eins Jetzt, was die Krieger-Denkmäler betrifft dort angeknüpft auch an diesen hellen Gedenken des Ersten Weltkrieges.

00:08:55: Es vergehen dann wieder einige Jahre und bis Mitte der neunzehnten Sechzigerjahre da sind wir dann schon zwanzig Jahre nach dem Kriegsende wo dann schon eine neue Generation Fragen stellt.

00:09:13: Man beginnt ein bisschen die Perspektive zu wechseln.

00:09:19: Dazu muss man auch noch sagen, Österreich war ja aufgefordert von den Alliierten, den eigenen Widerstand zu dokumentieren.

00:09:28: und das Problem... Also man hat in der Moskau-Deklaration am Anfang November XLIII gesagt, man wird Österreich als Kriegsgegner dahingehend bewerten, was es zu seiner eigenen Befreiung beigetragen hat.

00:09:45: Das heißt die Frage

00:09:46: ist... Ist das auch gut für den Ruf Österreichs gewesen?

00:09:49: Also unter den Augen der Besatzungsmächte wenn es zeigen und beweisen kann dass es doch einen erklecklichen Niederstand beteiligen

00:09:57: hat.

00:09:57: Genau das Problem war nur der überwiegenden Teil des Widerstandes von Kommunistinnen und Kommunisten ausgeführt worden ist.

00:10:08: Und da kommen wir dann wieder in den kalten Krieg, den ich schon angesprochen habe, dass nämlich die Kommunisten die Gegner gewesen sind.

00:10:15: Dadurch ist das Erinnern an den Widerstand auch... Ein

00:10:22: nahezu kommunistischer Akt oder zumindest ein Akt der Sympathie gegenüber dem Kommunismus geworden?

00:10:28: Genau, und der musste vertränkt.

00:10:30: Also ich habe eine meiner allerersten Publikationen hatten im Titel gehabt Der Widerstand als Opfer der zweiten Vertränkung.

00:10:36: Die erste Vertränkung war die mittäterschaft von österreicherinnen und österreichern in ein S-System Und der Widerstand ist dann sozusagen als zweites vertrengt worden Obwohl eigentlich Österreich die Aufforderung hatte dokumentiert doch den Wider Stand.

00:10:56: Mitte der Sechzigerjahre bricht das ein bisschen auf mit der nächsten Generation.

00:11:01: Es wird das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, in three-and-sechzig gegründet.

00:11:08: Es werden Zeitgeschichtsinstitute, also in Linz und in Wien gekründet und man stellt da schon die Fragen sozusagen... Und das ist ja auch die große Globalentwicklung mit der Studentenbewegung wo die jungen Leute gefragt haben, die Eltern was habt ihr in der NSZ gemacht?

00:11:27: Was aber dann noch immer nicht im Mittelpunkt steht, da sind die eigentlichen Opfer des Nationalsozialismus.

00:11:39: Jüdinnen und Juden, Sinti Ja, homosexuelle.

00:11:46: Also das ist ja damals überhaupt noch kein Thema gewesen.

00:11:48: Bibelforscher.

00:11:49: Bibelforscher, genau.

00:11:50: Das soziale

00:11:50: Arbeitsscheuersgesin, da hat es ja viele Gruppen gegeben.

00:11:53: Genau, diese Gruppen sind in den Sechziger Jahren noch immer nicht im Blickbild.

00:12:02: Österreich... also das heißt und wir haben dann in den Neunzehnten-Siebzigerjahren einen politischen Wechsel im Land, also die große Koalition zwischen ÖVP und SPÖ, die ja seit fünfundvierzig das Land regiert.

00:12:20: Zunächst in den sechzehnten Jahren noch mit der ÖVB-Aleinregierung aber dann die siebziger Jahre mit der SPÖ absoluten Mehrheit und Alleinregierung.

00:12:29: Die SPÖ tut sich mit ihrem Gedenken was die NS-Zeit betrifft, ein bisschen schwer.

00:12:36: Weil nach dem Verbot der Sozialdemokratin, die in den vierunddreißig sind sehr viele Sozialdemokraten zu den Kommunisten gegangen.

00:12:45: Davon will man sich doch ein bisschen distanzieren.

00:12:49: dass der Bürgerkrieg in den viert und dreißig steht im Fokus des SPÖ.

00:12:53: Gedenken in den in den siebzehnten Jahren.

00:12:56: Also ist das Gedenk mit dem Widerstand sozusagen zweifelhafte Privileg, der ist ein kleinen kommunistischen Partei geblieben und geworden?

00:13:05: Ja beziehungsweise.

00:13:07: Das Dokumentationsarchiv ist sozusagen das institutionelle Paradebeispiel welche Gruppierungen im Widerstand tätig gewesen sind.

00:13:22: es gibt auch von der katholischen Seite werden wiederständige gewürdigt Wobei man sich da auch ein bisschen schwer tut mit der Schwester-Ristituter, mit dem Jägerstädter.

00:13:38: Es hat Legitimisten gegeben also bei den Katholiken dann noch Karl Roman Scholz aus Kloster Neuburg, der hingerichtet wurde in Augustina Pater.

00:13:51: Dann hat sie Legitiminsten gegeben.

00:13:54: Und im Dokumentationsarchiv...

00:13:56: Können Sie den Legitimist erklären?

00:13:58: Ja, Legitiminst waren Monarchisten.

00:14:01: Also Personen die die Monarchie zurück haben wollten und der Anderen auch deshalb gegen den Nationalsozialismus waren, weil das ja eine andere sozusagen Regierungsform gewesen ist.

00:14:20: Nichtsdestotrotz hat es haben also auch Legitimisten, sind hingerichtet worden aufgrund ihrer Gegnerschaft zum Nationalsozialismus und es hat im Militär auch Widerstand gegeben.

00:14:39: Aber natürlich die Dominanz war von den Kommunistinnen und Kommunisten.

00:14:45: und das war halt... da hat man sich nach fünfern vierzig geben schwergetan, das anzuerkennen.

00:14:53: In den Siebzigerjahren ist es dann so, dass die SPÖ eine große... Bildungsreform macht, es werden Zeitzeuge in einer Zeitzeugung die Schulen geschickt.

00:15:05: Die ja

00:15:06: damals noch gelebt haben?

00:15:07: Ja, also bin ich auch quasi sozialisiert worden.

00:15:10: und dass ich heute im Dokumentationsarchiv arbeite ist mit ein Grund das große sozialdemokratische Widerstandskämpferin Rosa Jochmann bei uns in der Schule im Gymnasium gewesen ist.

00:15:25: Und da habe ich mich begonnen, dafür zu interessieren was ist damals passiert?

00:15:29: und alle weiteren Schritte die ich dann gesetzt hab, die mich letztlich auch ins DÖF geführt haben, passieren eigentlich nicht auf diesen Zeitzeugner Auftritt.

00:15:37: Das hat die SPÖ in den siebzig Jahren sehr stark forciert.

00:15:42: das heißt also die... Nicht die nächste Generation sondern schon die übernächste Generation ist da viel stärker sensibilisiert worden.

00:15:53: Und der ganz große Cut in der Erinnerungspolitik ist dann im Zuge der Wildtime-Diskussion.

00:16:00: Ja, die habe ich dann selber auch als junger Studentin, der erstmals wählen durfte, weil er das alte Recht hatte – in Wien live mütterlebt sozusagen.

00:16:10: Genau!

00:16:11: Also da spricht man wirklich in der Wissenschaft von einem Paradigmenwechsel, da wirklich jene Opfergruppen in den Fokus gerückt sind, über die man vorher überhaupt nicht geredet hat.

00:16:26: Also wie gesagt, vor allem dann zunächst einmal Juden und Jüdinnen und dann haben wir ja schon nicht aufgezählt welche anderen Opfer-Gruppen das auch noch gewesen sind was dann auch im Zuge dessen ein ganz wichtiger Faktor gewesen ist, dass man sich da wirklich erstmals dem gestellt hat das Österreicher auch auf der Täterseite aktiv gewesen sind.

00:16:57: Also die Waldheim-Debatte hat das ja aufgebrochen, da hat es aber noch so einen Schulterschluss gegeben und war ja auch das Logen wir wählen den wir wollen.

00:17:06: Und jetzt recht?

00:17:07: Genau!

00:17:08: Aber das sind dann noch ein paar Jahre vergangen, aber an Anfang der Hat man sich dann, du hast diese Frage gestellt und da gibt es ja die berühmte Rede von Franz Fronitzke im Nationalrat.

00:17:27: Auch der Bundespräsident Thomas Klestil in der Knesset in Israel – Wildheim selbst sagt das auch?

00:17:36: dann, dass es Österreicher als Täter gegeben hat.

00:17:41: Und in den Neunzelneinzig Jahren beginnt die Täterforschung und das ist noch einmal ein wichtiger Impuls wo sich die Frage des Gedenkens auch nochmal verschiebt weil es gibt viele Informationen über Opfergruppen die man zwar schon als Opfergruppen definiert hat, aber sozusagen das Hintergrundwissen noch gefehlt hat.

00:18:08: Und gegen die Täter hatte sie in Österreich nach nineteen forty-fünfundvierzig eine ganze Reihe von Prozessen gegeben und diese Prozessakten sind dann erschlossen worden.

00:18:19: Also da haben wir auch einen Dokumentationsrecht gemacht.

00:18:21: Wir haben dann die zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz gegründet.

00:18:30: Da konnten wir sehr viel Informationen über die Verbrechen und damit aber auch über die Opfer gewinnen.

00:18:41: Was in den Siebzigerjahren schon der Grundstein gelegt worden ist mit den Schulen, das nach wie vor ein ganz wichtiger Faktor ist, dass das Gedenken sozusagen von unten kommen

00:18:56: wird...

00:19:02: Man muss auch unterscheiden zwischen dem staatlichen Gedenken und dem Gedenk der zivilen Gesellschaft.

00:19:08: Und die Zivilgesellschaft hat in den letzten Jahren, Jahrzehnten wirklich sehr viel geleistet.

00:19:15: Das staatliche Gedenke tut sich oft einmal ein bisschen schwer.

00:19:19: also ich denke da an die Debatten über das... Denk mal vor der Albertina, mit dem Straßenwaschenden Juden zum Beispiel oder auch das Denkmal am Judenplatz.

00:19:32: Die nach außen geklärte Bibliothek?

00:19:35: Genau!

00:19:36: Oder dann ganz heftig auch, weil das ja unmittelbar auch an das Heldengedenken kratzt, dass dieser Dörfstenkmal in... in einem Ballhausplatz, wo es ganz, ganz heftige politische Auseinandersetzungen gegeben hat.

00:19:54: Aber diese Denkmäler sind dann letztlich doch auch

00:20:00: verwirklicht worden?

00:20:02: Darf ich, weil Sie den Heldenplatz erwähnt haben bevor ich zu dieser Gedenkkultur aus der Zivilgesellschaft komme noch fragen.

00:20:10: gerade das Heldentor Das hat ja einen Raum bekommen der genau heißt, aber da geht es eigentlich.

00:20:20: Der Weiheraum, ja.

00:20:21: Genau, der sozusagen wo von der Republik her gedacht wird und am achten Mai am Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es ja seit einigen Jahren.

00:20:31: ich weiß nicht wie viele aber vielleicht schon eine Jahrzehnte oder mehr das sogenannte Fest der Freude.

00:20:37: Und

00:20:38: ich habe den Eindruck, ich weiß noch nicht ob Sie das teilen können dass Österreich mit dem achten May nicht recht wusste, wie es damit umgehen soll.

00:20:47: Ist es jetzt einerseits traurig weil wir den Krieg verloren haben?

00:20:52: Dann ist auch die Frage ob überhaupt Wir sagen können und sollen dass wir den krieg verlangen hat oder ob man sich freuen soll das mit dem krig verloren hat.

00:21:00: Es ist eine ambivalente also eine zweischneidige Angelegenheit Und nachdem dieser achte mei uns der hellten platz dieses helden toa von rechten in Beschlag genommen worden ist, für rückwärtsgewandtes Rechtfertigen von allem was da passiert ist hat sich Österreich dann doch auch ein Mal dazu entschieden denen das Heft aus der Hand zu nehmen und hat ganz bewusst am Heldentor das fester Freude organisiert.

00:21:32: Ist es nicht also Beispielgebend für dieses Unwohlsein Österreichs mit einem Krieg wo man beteiligt war?

00:21:41: Wo man einerseits froh ist vorbei ist und wo man nicht ganz sicher ist, ob man sich freuen oder traurig sein soll, dass man ihn verloren hat.

00:21:51: Also es ist ja so Österreich... Da bin ich einmal beim WIR... Österreich hat als Staat im März-Achtung-Dreißig zu existieren aufgehört.

00:22:02: das heißt also wir können gar nichts verloren haben weil Österreich eben Teil des deutschen Reiches gewesen ist.

00:22:09: aber das heißt natürlich Also, wenn es staatsrechtlich so gewesen ist.

00:22:15: Die Bevölkerung hat ja durchaus auch anders empfunden oder Teile der Bevölkerung und für viele war einen Niederlage.

00:22:26: Und es ist ja auch interessant – und das war auch noch in meiner Schulzeit so – dass man das gehört hat die Befreiung ist neunzehnfünfundfünfzig gekommen nicht neunzenfünfundvierzig.

00:22:37: Richtig

00:22:37: so!

00:22:38: Genau sie eröffnen wir jetzt eigentlich eine...

00:22:44: Die Besatzungszeit wurde teilweise als Drückhünder empfunden, als die NS-Zeit.

00:22:59: einer Gegenerzählung und man hat eben sehr lange damit gebraucht, diese Gegenerzählung auch zu definieren.

00:23:09: Und das Fest der Freude sagt eben jetzt also die Freude über den... Die Befreiung?

00:23:19: Das war der Achtemäu-Fürzig.

00:23:21: Also rein theoretisch wenn ich sie richtig verstehe könnte man durchaus darüber philosophieren ob es nicht passend wäre den Staatsfeiertag vom sechsenzwanzigsten Oktober auf den achten Mai zu verlegen, weil das der Tag der Wiederaufstehung der Republik Österreich in der zweiten Republik

00:23:39: gesehen.

00:23:39: Das ist eine politische Frage die über die Jahrzehnte auch immer wieder mal diskutiert worden ist aber... Das hat noch keine Mehrheit gefunden.

00:23:48: Aber das ist durchaus etwas, was man diskutieren könnte.

00:23:53: Es war auch interessant... Der achte Mai ist in nur ganz wenigen europäischen Ländern ein nationaler Feiertag.

00:24:02: In Deutschland zum Beispiel war es ... ... zwanzig, einmalig?

00:24:09: Einmalig!

00:24:13: Als Nationalfeiertag hat er existiert in einigen osteuropäischen Ländern.

00:24:19: In Russland ist es der neunte Mai, weil das aufgrund der Zeitverschiebung war die Befreiung... oder war das Ende des Zweiten Weltkrieges nach russischer Zeitrechnung am neunten Mai.

00:24:34: Ach

00:24:34: so?

00:24:35: Ja, weil die endgültige Kapitulation unterschrieben wurde um über der Dreiundzwanzigundneunen und Fünfzig oder so.

00:24:44: Und da war es aber noch sowjetischer Zeit dann schon der Neunte.

00:24:47: Das sind Schwierzwindigkeiten, ja.

00:24:51: Aber

00:24:51: das heißt dieses Anerkennen Europa, also jene Länder die vom Nationalsozialismus betroffen gewesen sind, dass sie da frei sind.

00:25:05: Das gibt es auch in anderen europäischen Ländern nicht so adäquat.

00:25:12: Also das sozusagen nach außen zu zeigen dazu hat man sich bis jetzt in den wenigsten Ländern durchgerungen.

00:25:26: Das ist schon interessant!

00:25:29: Sehr interessant, uns bleibt eigentlich nur noch ein Punkt zu besprechen weil dann die Zeit wohl schon halb abgelaufen ist.

00:25:39: wenn ich die letzten Jahrzehnte über Blicke so hat seit der Waldheimdebatte Österreich von Staatswegen doch Ich würde sagen, seine Hausaufgaben gemacht.

00:25:54: Auch unter Wolfgang Schüsseln die Opferentschädigungsfonds Historikerkommission und allerlei.

00:26:03: es sind auch Archive geöffnet worden.

00:26:06: Es ist die Galerie der Tränen, die in Mauerbach also der Raubkunst vorgestellt hat Und so ist sozusagen auf staatlicher Ebene ist viel passiert.

00:26:18: Wenn man dann die Einheiten des Staatswesens nach unten dekliniert, ja auf Bundesländerebene oder die großen Bestarztbetriebe – die Föst, die auch eine intensive Geschichte mit der Nazi-Zeithalt und bei uns in der Nähe Zipf, wo das Zipfebier herkommt.

00:26:37: Das war ja das Lagerschlier, wo Teile für die Vergildungswaffe erzeugt worden sind.

00:26:43: Also da hatten sich dieser Geschichte gestellt und sie durchgearbeitet, durchgeackert.

00:26:49: Die Ebene, die fehlt oder jetzt erst am Beginn des Aufarbeitens ist es sind die Gemeinden.

00:26:55: wir sind hier in einer Tausend... Was haben wir denn in Oberhofen?

00:27:00: Das ist ein Einwohnergemeinde.

00:27:05: Da hat man die örtlichen Gegebenheiten nur fallweise angeschaut, hier in unserer Umgebung gibt es Thalgaustrasse-Walchen.

00:27:13: auch in St.

00:27:13: Gilgen hat man etwas gemacht, St.

00:27:15: Florian Bellin stand.

00:27:17: dort ist etwas geschehen aufgrund von Initiative eben nicht der Politik sondern eben der Zivilgesellschaft.

00:27:25: warum tut sich die unterste Ebene, warum tun sich die Gemeinden so schwer das zu tun was ihnen eigentlich sonst seit Jahrzehnten vom Staat vorgeschlagen wird oder vorgemacht wird?

00:27:39: Nämlich einfach aufs Neue genau hinzuschauen.

00:27:43: Also es gibt regionale Unterschiede.

00:27:51: aus Wien sehe ich ja in Wien und Wir haben auch eine Studie über Niederösterreich gemacht.

00:28:00: Da gibt es durchaus Gegenden, wo die Zivilgesellschaft schon lange initiativ ist.

00:28:07: Es gibt andere Regionen in Österreich, wo man sich offensichtlich viel schwerer tut... Das ist schwer zu sagen!

00:28:21: Es ist jedenfalls nach wie vor so dass die Generation, die den Krieg erlebt hat ist jetzt schon aussterben

00:28:33: oder

00:28:33: schon ausgestorben.

00:28:35: Aber die Erzählung ist noch an die Kindergeneration weitergegangen und ich würde einmal sagen es wird.

00:28:47: Es ist wichtig, dass man das jetzt in den Gegenden, wo da bis jetzt wenig passiert ist.

00:28:53: Dass man das unbedingt in Angriff nimmt.

00:28:57: Ich glaube aber, dass es trotzdem noch einige Zeit brauchen wird, bis es so einen breiten Konsens gibt, dass wir da genauer hinschauen.

00:29:08: Ja, denn Sie will Gesell auf der Leine!

00:29:10: tut sich natürlich schwer, wenn von der örtlichen Politik Widerstand kommt.

00:29:13: Am Ende braucht man ja doch auch eine gewisse, zumindest eine Dullung der öertlichen Politik.

00:29:20: Also ein Bürgermeister Sandgemeinderat kann schon so etwas blockieren... Das ist das wichtig!

00:29:26: Das weiß ich auch aus eigener Gedenkarbeit, dass das so ist.

00:29:36: Ich spreche hier ja auch als ein Mitglied einer Initiative die Monsilan, also alle sieben Gemeinden von Oberhofen bis Oberwang.

00:29:44: Die NS Vergangenheit neu anschauen will.

00:29:48: das entzündet sich dann meistens wahrscheinlich auch in anderen Gemeinden an einer Überarbeitung von den Kriegerdenkwählern, die es ja wirklich fast jeder Gemeinde gibt.

00:29:59: wir haben auch alle schon besichtigt Sie sind von Wien gekommen vor zwei Stunden und wir haben sie alle durch geschaut Und die Kriegedenkmäler sind auch eine Erinnerung an die Art und Weise, wie man über den Krieg gedacht hat zu der Zeit wo sie gebaut worden sind.

00:30:15: Wir sind ein paar Jahrzehnte vergangen und jetzt ist es wohl einer einigen Leuten in Anliegen dass man auch diese Kriegedenkmalmähler genau anschaut und vielleicht auch überarbeitet oder umgestaltet.

00:30:30: Das alleine ist es aber nicht.

00:30:32: Es braucht ja abgesehen von einer, meinetwegen künstlerischen Überarbeitung auch eine Beschäftigung, eine Diskussion über die Zeit und natürlich auch eine bestimmte trauer Arbeit.

00:30:49: Schon wieder Arbeit aber durch einen Trauervorgang den wir durchmachen müssen vielleicht sehr spät aber doch über die Schrecken die da geschehen sind.

00:31:04: Dazu braucht man doch eine gewisse Diskussion, die in der Öffentlichkeit passiert.

00:31:11: Hier im Monseland gibt es ein ganz neues Buch, das veröffentlicht worden ist und ich frage mich von Norbert Bleching, ob es genügt, ein Buch zu schreiben?

00:31:24: Unabhängig davon, ob das gut jetzt wissenschaftlich korrekt recherchiert worden ist oder nicht!

00:31:31: Meine These ist einen Buch zu schreiben ist nicht genug.

00:31:35: Man muss auch Dinge sich erstreiten oder zumindest diskutieren, oder Betrauen in sich gehen und still werden damit man sich dessen gewahr wird was geschehen ist.

00:31:54: Also ich glaube aber man muss auch bestimmte Narrative, bestimmte Erzählungen nicht beseitigen, sondern aufknacken.

00:32:08: Es geht nicht nur darum sich mit den Kriegerdenkmälern auseinanderzusetzen.

00:32:13: vielleicht sollte man das sogar jetzt nicht auf die Seite schieben überhaupt nicht aber gleichzeitig schauen was ist in dieser Region an Menschen passiert, Verbrechen an diesen Menschen begangen worden.

00:32:33: Um auch ganz einfach zu zeigen es hat die Opfer des Krieges gegeben also jeder junge Bursch der in Stalingrad ums Leben gekommen ist natürlich ein Opfer das Krieg ist das ist ja keine Frage als ein Opfert des Angriffskrieges den die Nationalsozialisten vom Zaun gebrochen haben.

00:32:55: Aber es hat auch noch andere Opfer gegeben.

00:32:57: Die noch nicht gesehen worden

00:32:58: sind?

00:32:59: Genau, also vielleicht weniger... zunächst einmal die Überarbeitung dieses einen Narratives aber auch das Sichtbarmachen von anderen Geschichten.

00:33:14: Das ist uns noch nicht gesehene?

00:33:15: Genau.

00:33:16: Vielen Dank!

00:33:17: Da haben wir zwei Handlungsstränge auf die wir jetzt achten müssen.

00:33:22: Ja, das wird wohl eine Aufgabe und wenn es schwierig wird.

00:33:28: Die Reibung, die entsteht wie man so sagt ist auch eine gewisse Energie, die wir wahrscheinlich brauchen und es wird wohl nicht ohne Konflikt gehen.

00:33:38: Das kann ich Ihnen versichern.

00:33:40: Das haben wir ja in den großen Debatten wie auch Wildtime-Debater da sehr viel Konflik ausgetragen worden.

00:33:49: Man muss schauen, dass dieses Konflikt austragen.

00:33:53: Obwohl es manchmal schwierig ist nicht in Aggression endet wo dann die Fronten sozusagen verhärtet ist.

00:34:01: also der Dialog ist ganz wichtig Der aber auch sehr kritisch und aneinander reibend stattfinden kann und wahrscheinlich muss Aber am Ende des Tages glaube ich doch das Und das kann aber auch Jahre dauern, dass dann etwas Gutes steht.

00:34:26: Es ist da auch ganz wichtig die jungen Menschen mit einzubeziehen und vielleicht auch den einen oder anderen Gegenwärtsbezug herzustellen wenn man von Flucht- und Vertreibung und so weiter spricht.

00:34:42: Das sind ja auch ganz aktuelle Fragen Dass man nämlich nicht sagt, jetzt lasst doch endlich die alte Zeit.

00:34:48: Das ist schon jetzt achtzig-neinzig Jahre her.

00:34:51: Was wolltest du noch?

00:34:53: Es sind so viele Dinge, die damals passiert sind und haben auch einen ganz aktuellen Bezug.

00:35:01: Vor ein paar Monaten hat jemand das Kriegedenkmal in St.

00:35:05: Gilgen beschmiert.

00:35:07: Wenn das in der heutigen Zeit noch passiert heißt es dass das Thema ja durchaus noch brodelt.

00:35:13: Also wir haben wohl eine Art des Gedenkens, aber es ist noch nicht so ruhig gekommen.

00:35:21: Am Ende geht's natürlich nicht darum dass wir uns gegenseitig bepflegeln sondern das wir uns versöhnen wenn die Opfer die ja schon gestorben sind nicht mehr zu sprechen und nicht mehr wütigen können so muss man doch sagen, es geht darum dass wir uns als Gesellschaft insgesamt auch mit unserer eigenen problematischen Geschichte versöhnen und dabei sind sie uns nämlich an eine große Hilfe.

00:35:50: Sie sind heute aus Wien gekommen um unsere Gruppe zu beraten.

00:35:54: in ein paar Minuten werden wir uns in der größeren Gruppe zusammensetzen und ihre Anregungen anhören.

00:36:02: Vielen Dank fürs

00:36:02: kommen!

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